Interview mit Helmut Haas in der Ipf- und Jagstzeitung
Wir sind ein Spiegel unserer Kunden
An zwölf Standorten ist INNEO mittlerweile zu Hause, in Ellwangen ist der Hauptsitz. Helmut Haas hat aber sogar die Arbeit von Donald Trump im Blick, wenngleich nur indirekt.
Am 27. Mai findet die „Fachkonferenz Digitalisierung“ im Internationalen Congresscenter Stuttgart (ICS) statt, ausgerichtet von der INNEO Solutions GmbH mit Hauptsitz in Ellwangen. Speaker bei der Veranstaltung ist unter anderem Ranga Yogeshwar, den man aus verschiedenen TV-Formaten kennt.
Im vergangenen Jahr feierte INNEO 40-jähriges Bestehen, im selben Jahr wurden die 100 Millionen Euro Umsatz geknackt. „Das war eines der Ziele auf unserem Weg“, ist Helmut Haas durchaus stolz auf den erreichten Erfolg des Unternehmens, in dem aktuell 360 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind. Timo Lämmerhirt, Regionalleiter Ostalb bei der Schwäbischen, nutzte die Gelegenheit, um sich im Vorfeld mit dem INNEO-Geschäftsführer zu unterhalten – nicht nur über die anstehende Großveranstaltung in der Landeshauptstadt.
Jetzt sind Sie längst ein großes und erfolgreiches Unternehmen mit zehn Standorten in Deutschland, jeweils einen in England und einen in der Schweiz. Ihre Produkte und Errungenschaften gibt es jedoch nicht im Supermarkt. Vielleicht geben Sie uns einen kurzen Überblick über Ihr Portfolio.
Wir sind bekannt für die Produktentwicklung, alles rund um CAD und um Produktdatenmanagement. Das ist nach wie vor der größte Bereich. Wir kümmern uns genauso um Modern Work und IT-Infrastruktur, nicht nur physisch, also Rechenzentrums-Ausstattung, sondern mittlerweile auch online in Form von Cloud- und Manage-Serviceangeboten. Der Trend geht in diese Richtung. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Simulation.
Es ist ein großer Unterschied, ob ich mit einem großen Automobilzulieferer spreche, der entsprechende Herausforderungen zu meistern hat, oder ob ich mit einem Start-up spreche, das sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt und bei dem eine große Nachfrage herrscht.
INNEO-Geschäftsführer Helmut Haas
Alles, was ich nicht bauen muss, was ich vorher entsprechend erst simulieren und testen kann, wie es sich verhalten wird, ist besser. In diesem Bereich sehen wir ebenfalls eine große Dynamik und Wachstumschancen. Nicht zuletzt beschäftigen wir uns mit dem Bereich der digitalen Realität. Hier haben wir marktführende Produkte im Bereich der photorealistischen Darstellung und Animation aber auch eigene Lösungen für das 3D WEB oder Ersatzteilwesen.
Jetzt ist es kein Geheimnis und allenthalben bekannt, dass die Wirtschaft in vielen Bereichen krankt. Wie wirkt sich das auf INNEO aus und wie nehmen Sie die Unternehmen aktuell wahr?
INNEO steht für erfolgreiche Digitalisierung im Mittelstand. Wir sind ein Spiegel unserer Kunden. Dadurch aber, dass wir über 6000 Kunden haben, verteilt sich das. Es ist ein großer Unterschied, ob ich mit einem großen Automobilzulieferer spreche, der entsprechende Herausforderungen zu meistern hat, oder ob ich mit einem Start-up spreche, das sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt und bei dem eine große Nachfrage herrscht. Deswegen sind wir froh, dass wir mit diesem Portfolio unterwegs sind. Digitalisierung braucht man seit Corona niemandem mehr erklären, auch den Nutzen nicht. Je größer und je strategischer solche Projekte sind, desto weniger krisenanfällig sind sie.
Die aktuelle ist nicht die erste Wirtschaftskrise. Glauben Sie, aus der Erfahrung heraus, dass man auch dieses Tal wieder verlassen wird?
Also, wir sind definitiv optimistisch, weil unser Portfolio zu den Themen passt. Was wir nicht vorhersehen können, sind die Effekte, die durch die Zollpolitik Amerikas entstehen. Kommt sie, kommt sie nicht? Das wird uns nicht direkt betreffen, aber in dem Moment, wenn es unsere Kunden betrifft, sitzen wir genauso mit im Boot. Da haben wir volles Verständnis für diejenigen Kunden, die im Moment weniger investieren möchten oder können. Da gehen wir dann aber gemeinsam durch. Die Sonne wird wieder scheinen.
Sie sprechen den Zollwahnsinn Amerikas an. Auf dem Aktienmarkt ging es rauf und runter, dann gab es Gegenzoll-Ankündigungen Chinas. Hat das Auswirkungen auf INNEO?
Es betrifft uns dahingehend, als dass es unsere Kunden betrifft. Unsicherheit ist ein schlechter Faktor und schlechter Berater, um ein Unternehmen weiterzuentwickeln oder Investitionsentscheidungen zu treffen. Viele unserer Kunden sind am Weltmarkt tätig, haben dementsprechend eine hohe Exportquote und bei vielen ist der US-Markt wichtig. In der Vergangenheit hat uns das geholfen, das hat die Unternehmen wachsen lassen. Globalisierung war stets ein Faktor, der sich positiv niedergeschlagen hat. Wenn das ins Stocken gerät durch irgendwelche Ankündigungen, dann ist das kontraproduktiv
Die neue deutsche Regierung ist inthronisiert und hat bereits versprochen, die Wirtschaft wieder stärken zu wollen. Glauben Sie daran, dass die Regierung mithelfen kann, die Krise vergessen zu machen?
Alles, was Sicherheit, Stabilität und Verlässlichkeit bringt, ist in diesen Zeiten willkommen und hilfreich. Ich hoffe schon, dass einige jetzt die Zeichen der Zeit erkannt haben, dass ohne funktionierende Wirtschaft in Deutschland vieles andere ebenfalls nicht funktionieren kann. Ich sage: Die beste Sozialpolitik ist eine funktionierende Wirtschaft. Dann zahlt die Wirtschaft Steuern und dann können wir uns die notwendigen Investitionen leisten. Wenn wir das infrage stellen, dann frage ich mich, woher das Geld letztlich kommen soll?
Nochmal nachgehakt, bezogen auf Ihr Unternehmen: Gab es bei INNEO wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage zwischendurch Überlegungen, Personalabbau betreiben zu müssen?
Wir wachsen nicht immer gleich schnell. Die momentane Schwächephase nutzen wir aber eher dazu, um gezielt einzustellen. Jetzt ist der Arbeitsmarkt eher besser und gibt auch Spezialisten her. In manchen Bereichen haben wir ebenfalls keine Vollauslastung, aber wir werden diese Menschen wieder brauchen. Es wäre kurzsichtig, wenn wir, wie viele andere, auf die Bremse treten würden.
INNEO ist gut aufgestellt, das haben Sie deutlich unterstrichen. Am 27. Mai findet wieder eine große Fachkonferenz statt, bereits die Siebte, die Sie als Unternehmen veranstalten. Was erwartet das Fachpublikum denn vor Ort?
Das ist die Highlight-Veranstaltung schlechthin, weil wir INNEO in 360 Grad präsentieren werden. Wir zeigen alles, was uns auszeichnet. Es ist deutlich anders aufgebaut als andere Veranstaltungen, denn in erster Linie haben die Kunden das Wort. 80 Prozent der Vorträge kommen von den Kunden. Wer, wenn nicht der Kunde, kann darüber berichten, ob es gut oder schlecht gelaufen ist?
Das ist die Highlight-Veranstaltung schlechthin, weil wir Inneo in 360 Grad präsentieren werden. Wir zeigen alles, was uns auszeichnet.
INNEO-Geschäftsführer Helmut Haas
Deswegen haben wir diesen Fokus bewusst gewählt. Unsere Schlüsselpartner und -hersteller sind persönlich vor Ort, auf der Bühne oder bei der Fachausstellung vertreten. Und diese Veranstaltung wird angenommen, bereits drei Wochen vorher waren wir bei knapp 600 Anmeldungen. Rund 700 erwarten wir insgesamt. Damit füllen wir das ICS schon recht gut.
Auf welchen Bereich wird denn in diesem Jahr besonders der Fokus gelegt, wo haben Sie einen Trend ausgemacht, wenn man das so nennen kann?
Ein Trendthema haben wir klar ausgemacht, und zwar die Künstliche Intelligenz.
Ist KI tatsächlich noch ein Trend?
Ja, weil es mittlerweile nicht mehr nur als Schlagwort benutzt wird, sondern die Anwendungen folgen. Da zeigen wir konkrete Beispiele, die wir für Kunden konzipiert haben. Ebenfalls zeigen wir auf, wie man Effizienz gewinnt, oder auf was man bei der Benutzung achten sollte. Unsere Aufgabe ist es, nicht nur Schlagworte zu benutzen, sondern in der Praxis aufzuzeigen, was das entsprechende Tool konkret bedeuten kann und was es dem Anwender bringt.
Spüren Sie, dass sich die Angst vor der KI verflüchtigt?
Wie soll man seine Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern oder den demografischen Wandel ohne KI realisieren? Die KI hat das Potenzial, Abläufe zu automatisieren, um mit weniger Personal zurechtzukommen – zumindest in den Bereichen, in denen wir unterwegs sind. Glücklicherweise treten diese zwei Faktoren gemeinsam auf. Würde der demografische Wandel allein auftreten und 30 Prozent der Bevölkerung in den Ruhestand gehen: Wie sollte man das ohne die positiven Effekte der Digitalisierung kompensieren?