Im Herbst 2010 kündigte PTC mit Creo die wohl größte Produktumstellung seiner Firmengeschichte an. Im Mittelpunkt stand dabei die Vereinigung seiner zwei CAD-Systeme Pro/ENGINEER und CoCreate. Darüber hinaus wurde eine Erweiterung der Produktpalette sowie eine Flexibilisierung in Form von APPs angekündigt. Ein Besuch bei INNEO in Ellwangen sollte klären, in wie weit das mit Creo 1.0 gelungen ist und ob die erste Version bereits industrietauglich ist.
Creo ist, laut Hersteller PTC, die erste CAx-Lösung auf dem Markt, mit der sämtliche Modellierungsansätze auf einer durchgehenden Plattform zur Verfügung gestellt werden. Damit können Anwender mit verschiedensten Aufgaben (2D, 3D, parametrische, nicht-parametrische Modellierung, Design, Viewing, Konfiguration, Simulation …) die genau passende Software einsetzen und ineinander überführbare Datenformate (gleiche Plattform, gleiche Datenbasis) darstellen. Creo ist somit eine skalierbare Software-Suite von interoperablen, offenen und leicht zu bedienenden Apps für die Produktentwicklung.
Eine der Kernaktivitäten bei Creo war die Vereinigung der beiden bisherigen CAD-Systeme von PTC: Pro/ENGINEER und CoCreate. Somit sollen alle Kunden bequem in die jeweils andere Welt hineinwachsen und deren Möglichkeiten nutzen können.
Ferner gibt PTC Creo eine neue 2D-Skizzensoftware mit, die es in der Form bisher nicht gab. Zudem stellt Creo in Zukunft umfassende Stücklistenfunktionen, gerade für große Zusammenbaustücklisten, bereit. Und außerdem soll die Bearbeitung importierter Daten leichter und leistungsfähiger werden.
Damit aber nicht genug. Wenn man schon etwas Neues anfängt …
PTC hat Creo ein hochmodernes App-Konzept verpasst (bekannt aus der Apple-Welt). Diese Apps bieten jedem Anwender das für ihn richtige Werkzeug, gemäß seiner Rolle im Unternehmen. Apps können unabhängig laufen, brauchen also kein Basis CAD-System. Und natürlich wird es im Laufe der Zeit viele spezielle Apps geben – von PTC und von Partnern.
Soweit die Basisinformationen. Im Sommer 2011 stellte PTC nun …
Ein Besuch bei INNEO, dem weltweit größten Wiederverkäufer von PTC-Software, sollte klären, was diese erste Version umfasst, ob alles funktioniert wie angekündigt und wie der praktische Einstieg in die neue Software erfolgen kann.
Creo 1.0 umfasst:
Zudem hat PTC für Creo eine neue Benutzeroberfläche geschaffen, die sich an den neuesten Entwicklungen im Windows-Bereich orientiert.
„Viele Anwender kennen aus der Pro/ENGINEER-Zeit bestimmte Anwendungspakete, wie beispielsweise Pro/ENGINEER Foundation. Solche Pakete gibt es bei Creo auch. Sie heißen dort Creo Engineer I bis IV“, so Helmut Haas, Geschäftsführer der INNEO Solutions GmbH. Diese Pakete können je nach Ausrichtung eines Unternehmens bzw. auch einzelner Abteilungen ausgewählt werden.
Beeindruckende neue Funktionalitäten hat der Bereich Freiformflächenkonstruktion (Creo Industrial Designer) erhalten, der sowohl von Designern als auch von Konstrukteuren genutzt werden kann. Das Tool gibt dem Anwender maximale Freiheit und Flexibilität, wie auch eine Vorführung bei INNEO nachdrücklich zeigte. Hier ist man tatsächlich dem Arbeiten mit Plastilin nahe gekommen. Wer also in der Lage ist, innovative ästhetische Formen zu entwickeln, der findet hier einfache und schnelle Möglichkeiten, sie in der virtuellen Welt zu generieren. Dabei gibt es zwei weitere Vorteile: die sofortige Überprüfbarkeit der Flächen und diese Freiformflächen sind sofort Teil der CAD-Modelle und müssen nicht erst importiert werden.
„Zunächst einmal ist zu sagen, dass alle unsere Kunden mit Wartungsvertrag Bestandsschutz haben. Das bedeutet, entsprechend ihrer bisherigen Installation werden sie kostenneutral auf Creo umgestellt“, sagt Helmut Haas.
Zu einem bestimmten Zeitpunkt, der dem Kunden passt, erfolgt die komplette Umstellung, ähnlich wie man früher von einem Wildfire 4 nach 5 umgestiegen ist. Dabei passiert auch datenmäßig nichts, es kann direkt weiter gearbeitet werden.
Natürlich wird es Sinn machen, vor der Umstellung darüber nachzudenken, ob nicht an der einen oder anderen Stelle aufgrund der neuen Möglichkeiten etwas geändert werden sollte. Ob beispielsweise Funktionserweiterungen sinnvoll wären oder umgekehrt, ob zum Beispiel der Berechnungsingenieur nun mit der APP „Simulate“ allein auskommt. Diese läuft ja, wie schon erwähnt, für sich allein.
Bei all diesen Konfigurationsüberlegungen hilft INNEO natürlich. Helmut Haas: „Die Konfiguration bietet jetzt mehr Möglichkeiten als früher, aber wir unterstützen unsere Kunden dabei in jeder Hinsicht.“
Soweit man bei einer ausführlichen Demonstration sehen konnte, läuft Creo 1.0 stabil. Insbesondere das „Umschalten“ von parametrischen zum direkten Modellieren und umgekehrt funktioniert sicher und einfach. Es handelt sich lediglich um einen Knopfdruck, bzw. einen Klick mit der Maus, um aus dem ehemaligen Pro/ENGINEER-Umfeld nach dem damaligen CoCreate zu gelangen und umgekehrt.
Natürlich verliert der Anwender dabei die Intelligenzen nicht, die ein Pro/ENGINEER-Modell bisher ausgemacht haben. Die per Direkt-Modellierung vorgenommenen Änderungen oder Ergänzungen können später in der Modellhistorie nachvollzogen und angepasst werden.
Die neue Benutzeroberfläche arbeitet sehr schnell. Von einer Beschleunigung der Arbeit um ca. 20 Prozent kann ausgegangen werden.
„Es gibt am Markt einen enormen Informationsbedarf“, betont Helmut Haas. „Es ist unserer Pflicht, dem nachzukommen.“ INNEO hat deshalb bereits eine Roadshow mit 10 Stationen absolviert. Nun folgen intensive Informationen in allen INNEO-Niederlassungen. Dafür werden fixe Tage, etwa alle zwei Wochen, reserviert: „Creo Dialog“.
Darüber hinaus haben Kunden bei Hausmessen die Möglichkeit, direkt mit Creo zu arbeiten.
Es gibt aber auch bereits erste Kunden für Creo 1.0!
Für alle, die erst etwas später einsteigen wollen: Creo 2.0 wird im Frühjahr 2012 freigegeben. In der Zwischenzeit sorgen Service-Packs dafür, dass die Welt für Creo 1.0 Anwender nicht stehen bleibt.
Und soviel kann man aus der Vergangenheit sagen: Wenn INNEO sagt, es geht, dann geht’s!
– Karl Obermann, CAD.de –